Cthaiku (III)

Krallen und Zähne
formlose Masse
Etwas verblutet im Schnee

Cthaiku (II)

Tentakel umschlingen
verlöschendes Leben.
Seufzen - dann Stille.

Cthaiku (I)

Tausend Augen
aus lichtlosen Weiten
durchdringen das Fenster

Geistlos

Das Urteil erlischt
Der Wille verschwindet
Die Spuren verwischt
Kein Sinn, der verbindet

Die Wünsche verfliegen
im blassblauen Kleid
Und Tränen versiegen
im Strömen der Zeit

Kruh

Ein Kobold sitzt im Mohnfeld
als irgendwo ein Hund bellt
die Krähe schreit dazu
doch sie macht Krah
nicht Kruh

Im Mondlicht

So ahnungsvoll legt sich das Mondlicht
Auf Espen, die zittern im Wind
Es birgt sein Geheimnis tief in sich
verschweigt was der Morgen vollbringt

Ich spüre die uralten Träume
sie tragen das Wissen der Nacht
Es wispern die Geister der Bäume
von dem was stets schaudernd mich macht

Dort fühl ich mich eins mit dem Leben
im Mondlicht, im Wispern, im Wind
Weit jenseits von Worten und Streben
im Herzen der Nacht bin ich Kind

Lilie und Rabe

Die Lilie erwacht
am heiligen Ort
in tiefdunkler Nacht
sah Rabe sie dort
voll Schönheit erblühn
im steinernen Hort
so stolz und so kühn
die schneeweiße Pracht
sein Herz schmolz dahin

Bei Lilie er wacht
und lauscht dem Gesang
von Liebe und Macht
im Duft und im Klang
sie heilt seine Wunden
ihm ist nicht mehr bang
er hat sie gefunden

Ein Boot

Der See liegt glatt und still
als Sturm vom Himmel bricht
Er peitscht den See und will
des Wassers Ruhe nicht
Ein Boot kommt dort in Sicht
Es schaukelt wild und springt
dann kentert es und sinkt

Flammenbraut

Die Braut ist erwacht in den Flammen der Nacht
und tanzt nun ja tanzt ihre Wut
Im Feuer sie schlief als Begierde sie rief
entfacht nun entfacht ihre Glut

Verlangen so heiß, dass die Lust dich zerreißt
so tanzt sie ja tanzt sie die Wut
Ihr feuriger Blick dir den Atem erstickt
entfacht doch entfacht deine Glut

Du tanzt und sie lacht, bist im Bann ihrer Macht
so tanzt du ja tanzt deine Wut
Ein brennender Schmerz, er versengt dir das Herz
entfacht doch entfacht deine Glut

Das Fieber dich neckt und sein Wahn an dir leckt
doch tanzt du ja tanzt deine Wut
Die Füße sind wund und vertrocknet dein Mund
entfacht doch entfacht deine Glut

Die Trommel dich zwingt bis der Knochen zerspringt
doch tanzt du ja tanzt du im Blut
Ein Sklave der Gier und du schreist wie ein Tier
entfachst doch entfachst nur die Glut

Geschmolzen der Sand und dein Leben verbrannt
verbrannt ja verbrannt in der Wut
Im Kleid feuerrot küsst als Braut dich der Tod
erloschen, erloschen die Glut




_______________________________________________________________
Nebenbei bemerkt: Es gibt tatsächlich ein mittelalterliches Phänomen namens "Tanzwut"

Rechte

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Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer

Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz

.

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Kommentare

It's a very long time...
Nun sind schon wieder Monate ins Land gezogen. Sie...
Drago (Gast) - 17. Aug, 11:49
Lieben Dank,
für die lieben Worte! Cthaiku sind Haiku, die...
Elli Crown - 26. Apr, 18:14
Endlich!
Nach langer, langer Zeit endlich wieder ein Werk für...
Drago (Gast) - 26. Apr, 17:30
Verehrter irrer Drache
...gern will ich Ihrem Anliegen nachkommen, durchaus...
Elli Crown - 20. Apr, 15:35

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